Tuesday, November 1, 2011

Eine Dunkle Begierde - ab 10.11 im Kino

      Ganz vorne links bin ich :) hihi!




Heilung aussichtslos
Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren eine Phase unvorstellbarer Transformation. Immer mehr Menschen lebten unter immer besseren Lebensbedingungen und die Ergebnisse der industriellen Revolution setzten eine unheimliche Dynamik frei. Es war nur eine Frage der Zeit, bis damit auch die festgefahrenen Weltbilder und gesellschaftlichen Hierarchien fundamental in Frage gesteckt werden sollten. Eine der Theorien, die maßgeblich dazu beitrug, war Sigmunds Freuds Modell der Psychoanalyse. 

David Cronenbergs Eine dunkle Begierde / A Dangerous Method erzählt von den Implikationen dieser Theorie auf die beiden wichtigsten Vertreter der Psychoanalyse, Sigmund Freud (Viggo Mortensen) und Carl Gustav Jung (Michael Fassbender). Dieses ruhige – fast schon statische – Psychoduell nimmt seinen Anfang, als 1904 die 29 Jahre alte Russin Sabina Naftulowna Spielrein (Keira Knightley) in die von Jung und seiner Frau Emma (Sarah Gadon) geleitete Schweizer Klinik Burghölzli gebracht wird. Die Patientin ist zutiefst traumatisiert und leidet unter massiven Nervenzusammenbrüchen. Sie wird Jungs erste Patientin, an der er den Ansatz der Psychoanalyse ausprobieren möchte. Sein Ziel: Die Heilung der Psyche durch eine schrittweise Rückführung zu den Auslösern dieser Symptome. Der Fall Spielrein bringt Jung auch mit seinem größten Kollegen zusammen, den in Wien praktizierenden Sigmund Freud. Beide sind überzeugt, dass die Psychoanalyse das Weltempfinden der Menschheit entscheidend verändern wird. Doch ob man die praktische Anwendung der Theorie zur Heilung (so meint es Jung) oder lediglich zur Diagnostizierung (so sieht es Freud) nutzen kann, bleibt ein ewiges Streitthema zwischen den beiden. Eine dunkle Begierde ist zunächst einmal die Umkehrung aller bisherigen Cronenberg-Werke. Dort, wo der Kanadier bisher als Meister der Transgression und der zirkulären Erzähltechnik galt, hat er nun einen geradlinigen und atmosphärisch sehr zurückhaltenden Film gedreht. Der Inhalt basiert dabei auf dem gleichnamigen Theaterstück des englischen Dramatikers Christopher Hampton. Und trotz der augenfälligen Unterschiede sind die Themen und Motive dieses Films wieder deutlich im Cronenberg-Universum zu verorten. Denn die Auswirkungen des Obsessiven, der Psychose und ihrer Folgen haben den Regisseur schon immer interessiert, sei es in Spider oder in eXistenZ. Das interessante an Eine dunkle Begierde ist nun, dass Cronenberg nicht an den krassen Auswirkungen eines wie auch immer gearteten Horrors des Körpers oder Geistes interessiert ist, sondern die Frage nach einer möglichen Heilung stellt. Denn obwohl in Cronenbergs Werk die beiden großen Männer im Vordergrund zu stehen scheinen, ist die Entwicklung der weiblichen Figur Spielrein entscheidend. Keira Knightley spielt die junge Russin, die von Jung nicht nur erfolgreich behandelt wird, sondern auch noch eine Affäre mit ihm beginnt. Spielrein wird zur ersten weiblichen Psychoanalytikerin ausgebildet und zur Verfasserin wegweisender Schriften zu diesem Themengebiet. Doch im Film ist sie vor allem der Streitpunkt zwischen Jung und Freud. Der Kardinalsfehler Jungs, sich eine Affäre mit der eigenen Patientin zu erlauben, stellt auch seinen therapeutischen Ansatz in Frage. Cronenberg inszeniert das alles mit einem guten Gespür für die inneren Spannungen dieses seltsamen Dreiecks. Man muss sich aber auch im Klaren darüber sein, dass Eine dunkle Begierde ein Film ist, der fast ausschließlich über den Dialog funktioniert. Es ist nun mal die Verfilmung einer kollegialen Rivalität, und das lässt vor allem genug Raum für die Darsteller, um dem Drehbuch die nötigen Zwischentöne und der textlastigen Vorlage auch die notwendige emotionale Tiefe zu verleihen. Fassbender ist sehr enigmatisch als Jung und auch Knightley – zu Beginn noch an der Grenze zum Ertragbaren - zeigt, dass sie auch eine nuancierte Darstellerin sein kann. Am überzeugendsten gerät die Verkörperung des Sigmund Freud durch Viggo Mortensen. Mit wenigen Gesten und Regungen verleiht er seinem Freud eine Aura der Überlegenheit, die ihn in diesem Beziehungsdreieck zur alles überragenden Vaterfigur macht. Aufgrund der insgesamt sehr guten Darstellerleistungen folgt man den Figuren durch diesen manchmal etwa behäbigen Film, der aber summa summarum die großen Erwartungen nicht zur Gänze erfüllt, die man an ihn hatte.

(Festivalkritik Venedig 2011 von Patrick Wellinski)

4 comments:

  1. Ich war vor 2 Wochen im Kino und hab dich gleich im Flyer für den Film entdeckt. Freue mich schon, wenn er endlich im Kino ist ;)

    ReplyDelete
  2. Ähm wie cool ist das bitteschön?! Damn cool würde ich mal sagen. ;)
    Gratulation Madame.
    Hey, dein Blog gefällt mir. Deine Fotos sind so schön und richtig inspirierend! Weiter so!
    Es grüßt dich dein neuer Leser! ;)


    XX,
    _________________________
    CHRISTINAKEY.blogspot.com
    _________________________

    ReplyDelete
  3. dein header und dein blog sind sau schön! :)

    ReplyDelete
  4. Wow and doublewow Julie, die Fotos sehen super aus. Ich kann es kaum erwarten, den Film zu sehen! Ich wünsch' Dir viel Spaß auf der Premiere morgen!

    ReplyDelete

There was an error in this gadget

Julies Welt;